College Coaches mögen keinen Sommer

Bobby Bowden hat schlechte Erfahrungen im Sommer 1988 gesammelt.Die beginnende Sommerzeit ist für die Head Coaches aller US College Teams eine schwere Zeit. In den Sommermonaten ist es den Trainern gemäß den NCAA Regeln untersagt, zu großen Kontakt zu ihren Spielern zu pflegen. Das Training wird herunter gefahren und den „Strenght and Condition Coaches“ ist es erlaubt, freiwillige Übungseinheiten abzuhalten. Die Trainer wissen, dass es dann darauf ankommt, dass diese Konditionstrainer es in der Hand haben, ob die Mannschaft diese unkalkulierbare und risikovolle Zeit als Team übersteht, beziehungsweise in sich gefestigt bleibt, oder ob sich Chaos und subversive Aktivitäten ausbreiten. „Die Jungs, die wir im Sommer im Fitnesscenter sehen, dass sind später im Herbst auch die Spieler, die das Team anführen werden. Sie wissen, worauf es ankommt“, weiß Texas A&M Head Coach Kevin Sumlin zu berichten und betont, dass in dieser Jahreszeit die Konditionstrainer die wichtigsten Personen auf dem Campus sind. „Diese Männer haben es im Sommer in der Hand, ein zähes, diszipliniertes und kämpfendes Team zu bilden, oder wenn sie zu viel Spaß erlauben, uns im Spätsommer einen wilden marodierenden Haufen zu übergeben.“

Nach der Beendigung des Spring Practice darf kein Positions- oder Head Coach seinen Spielern Instruktionen erteilen. Die NCAA hat seinerzeit diese Regel erstellt, da College Football Spieler natürlich Amateure sind, die hauptsächlich eine Hochschule besuchen, um ein fachliches Studium zu besuchen. Die akademische Ausbildung sollte ursprünglich im Vordergrund stehen und der Sport die zweite Geige im Leben des zukünftigen Akademikers spielen. Die Sommerzeit sollte entsprechend dazu benutzt werden, um sich zu erholen und sich auf das nächste Semester vorzubereiten. Bei den Stipendiaten der vielen Athletic Departments hat sich natürlich der Focus schon seit vielen Jahrzehnten auf die sportliche Betätigung konzentriert und wer im Frühjahr kontinuierlich unter Druck steht, nutzt die neuen Freiheiten auch entsprechend gerne und unverblümt aus, beziehungsweise überschreitet in seinem jugendlichen Leichtsinn gewollt oder ungewollt gesteckte Grenzen.

Entsprechend ist die Sommerzeit bei den College Coaches extrem unbeliebt. Sie sind zum Nichtstun verpflichtet, müssen in den Urlaub fahren und hoffen nur darauf, dass es eben keinen Anruf von der Campus Polizei gibt, die vermeldet, dass gerade einer der Schützlinge wegen eines Vergehens vorläufig festgenommen wurde. Für Europäer mögen Delikte, wie das Konsumieren von Bier in der Öffentlichkeit, keine wirklichen Tatbestände sein, in den teilweise extrem puritanisch geprägten USA gelten jedoch andere Regeln und kleinere Vergehen von zukünftigen Footballhoffnungsträgern werden gerne von den Medien benutzt, um die saure Gurkenzeit der Offseason zu überbrücken. Wer es also gewohnt ist, im Frühling seine Mannschaft 24 Stunden lang zu trainieren und zu kontrollieren, mag es entsprechend nicht, wenn seine Schützlinge für mehrere Wochen unkontrolliert das süße Leben genießen wollen.
Michigans Head Coach Brady Hoke hat sich mehrmals gegen diese sommerliche Kontaktsperre ausgesprochen: „Wir haben die Verantwortung für unsere Kids. Und wenn wir sie nicht beschützen dürfen, dann können sie schnell Unsinn anstellen, falsche Entscheidungen treffen und das Ansehen unserer Universität gefährden. Wir müssen weiterhin in der Lage zu sein, den Spielern zu helfen, sie zu motivieren, auf dem richtigen Weg zu bleiben und wir müssen für sie sichtbar bleiben. Schließlich sind wir auch für das APR Programm verantwortlich (APR = Academic Progress Rate).“ Das APR Programm ist ein System, welches die NCAA eingeführt hat, um den Entwicklungsprozeß eines Athletic Teams an einer US Hochschule zu messen. Jeder Spieler kann für bestimmte Anforderungen eine maximale Punktzahl erreichen. Die Summe aller Punkte abzüglich ausgesprochener negativer „Strafpunkte“ für interne Vergehen, geteilt durch die Anzahl der Spieler eines Teams, ergeben einen Prozentsatz. Liegt dieser Prozentsatz unter dem vorgegebenen NCAA durchschnittlichen Wert, so kann es sein, dass die NCAA berechtigt ist, die betroffene Hochschule zu bestrafen. Die Möglichkeit der auszusprechenden Strafen sind vielfältig und reichen von Ermahnungen und Geldbußen bis zur Aberkennung oder Reduzierung von Stipendien.

Als „Worst Case“ Vorbild dient den Coaches der FBS Colleges seit vielen Jahren das Jahr 1988. Der damalige Florida Seminoles Head Coach Bobby Bowden weilte mit seiner Frau in Europa und trainierte in Deutschland ein paar Football Teams der US-Army. In dieser Zeit entwickelte das Team in einer Art neu gefundener Gruppendynamik mit einem Seminoles Fan ein Rap-Musik-Video, dass später als the „Seminoles Rap“ bekannt wurde. Zeitgleich wurden die Seminoles von den Footballexperten in der Vorsaison als das Team Nummer 1 bezeichnet und es machte sich in der Mannschaft ein Gefühl der Lässigkeit und der Überheblichkeit breit. Bowden mochte das Video von Anfang an nicht, hatte aber keine Möglichkeiten, dass Projekt in der Sommerzeit zu stoppen. Er wusste, dass seine größten Konkurrenten das Video ihren Spielern wiederum zeigen würden und diese dann doppelt motiviert sein würden, dieses in sich selbstverliebte Team zu schlagen. Die Strafe folgte auf dem Fuß. Die Miami Hurricanes schlugen FSU im Season Opener mit 31:0 und die Seminoles wurden zum Gespött der Medien.

Schlüter - 25.05.2013

Bobby Bowden hat schlechte Erfahrungen im Sommer 1988 gesammelt.

Bobby Bowden hat schlechte Erfahrungen im Sommer 1988 gesammelt. (© Görtz)

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