Kein Playoff-Drama - leider

Die Vergabe der vier Plätze in den Playoffs hatte dieses Mal nichts Dramatisches zu bieten. Nach den Ergebnissen vom Samstag - Alabamas 35:28 gegen Georgia im SEC Championship Game, Clemsons 42:10 gegen Pittsburgh im ACC Championship Game, Oklahomas 39:27 gegen Texas im Finale der Big Twelve Conferences und Ohio States 45:24 gegen Northwestern in dem der Big Ten Conference - war eigentlich klar, wie die ersten vier Plätze in der Playoff-Rangliste aussehen würden, und so kam es dann auch, als am Sonntagnachmittag amerikanischer Zeit die letzte Playoff-Rangliste sowie die Playoff- und Bowl-Ansetzungen bekanntgegeben wurden. Alabama und Clemson bleiben Erster und Zweiter der Rangliste, Notre Dame, das seine Regular-Season-Spiele bereits in der Woche zuvor beendet hatte, hält den dritten Platz, und Oklahoma rückt von Platz fünf auf Platz vier vor. Daraus ergeben sich folgende Partien für das Halbfinale am 29. Dezember: Alabama gegen Oklahoma im Orange in Miami und Clemson gegen Notre Dame im Cotton Bowl in Arlington (Texas).

Nicht mit dabei sind Ohio State, das eine Niederlage von Oklahoma oder Clemson gebraucht hätte, um noch von Platz sechs unter die Top-Vier vorzurücken, und Central Florida, das im Championship Game der American Athletic Conference seinen saisonübergreifend 25.Sieg in Folge holte (56:41 gegen Memphis) und dabei mit einem Spieler im ersten College-Jahr als Ersatz für den verletzten QB McKenzie Milton sogar einen mehrmaligen 17-Punkte-Rückstand aufholte. Den Beiden bleiben aber attraktive Bowl-Teilnahmen. Ohio State trifft im Rose Bowl in Pasadena auf Pac-12 Champion Washington, und Central Florida kann sich im Fiesta Bowl in Glendale (Arizona) erneut mit einem Top-SEC-Team, Georgia-Bezwinger LSU, messen.

Ein kleines bisschen Ungewissheit gab es bis zur offiziellen Bekanntgabe noch, weil sowohl in den Medien als auch von den Beteiligten die Option diskutiert wurde, ob das Selection Committee Georgia trotz der Niederlage auf Platz vier belassen könnte, weil die Bulldogs den Titelverteidiger beinahe geschlagen hätten. "Am Ende läuft es auf einen Punkt hinaus: Will man die vier besten Teams in den Playoffs haben oder nicht. So einfach ist das. Lassen Sie den Coach an der anderen Seitenlinie (gemeint war damit Alabamas Nick Saben) entscheiden, gegen wen er nicht spielen möchte und er würde mit uns anfangen. Es ist nicht unsere Entscheidung, aber man sollte die vier besten Teams in die Playoffs schicken", sagte Georgias Head Coach Kirby Smart dazu. Im Übrigen machte sich auch Nick Saban für diese Option stark.

Eine wirkliche Option war das freilich nicht. Zugegeben, die Bulldogs spielten auf Augenhöhe mit dem Rekordmeister und hatten diesen innerhalb der letzten rund elf Monate zweimal am Rande einer Niederlage, aber genau das ist ihr Problem: Sie hätten gewinnen können, am Samstag ebenso wie im National Championship Game der letzten Saison, aber sie schafften es nicht, trotz zweier 13-Punkte-Führungen damals und sogar einer 14-Punkte-Führung am Samstag. Wieviele Punkte Vorsprung brauchen sie noch, um den Sack zuzumachen, fragt man sich da. Und auch nicht unbedingt für die Bulldogs sprach die Art, wie es am Samstag zu den entscheidenden Punkten für Alabama kam. Beim Spielstand von 28:28 spielte Georgia drei Minuten vor Spielende einen vierten Versuch, bei dem es elf Yards zum neuen First Down brauchte, an der 50-Yard-Linie aus und scheiterte. Fünf Spielzüge später erzielte Alabama mit einem 15-Yard-Lauf von QB Jalen Hurts den Touchdown zum 35:28. Und dass Head Coach Kirby Smart die unsinnige Aktion später wortreich zu rechtfertigen versuchte anstatt einfach zu sagen, dass sie rückblickend zu riskant und letztlich falsch war, machte ein Plädoyer für die Bulldogs als Playoff-Teilnehmer auch nicht leichter.

Für das Selection Committee spielten freilich andere Dinge die entscheidende Rolle. Man hatte, so erklärte es der Vorsitzende Rob Mullens, zwischen drei Teams - Oklahoma, Ohio State und Georgia - zu entscheiden gehabt, zwischen denen es nach Meinung des Committees qualitativ keine großen Unterschiede gab. "Am Ende war es der Conference Champion mit einer Niederlage, die er auf neutralem Platz gegen ein Top-25-Team erlitten und in seinem Conference Championship Game ausgeglichen hatte", so Mullens. Anders formuliert: Georgia fiel durch, weil es im Gegensatz zu Oklahoma und Ohio State seine Conference nicht gewonnen hat, und Ohio State wurde die 29-Punkte-Niederlage bei Purdue, einem Team, das die Saison letztlich mit einer 6-6-Bilanz beendet hatte, zum Verhängnis. An dieser Argumentation gibt es sportlich nichts auszusetzen.

Schade, vielleicht sogar ärgerlich ist, dass das Playoff Selection Committee wieder nur Kandidaten aus den Power Five Conferences in Erwägung zog und das beste Team der Group of Five Conferences, Central Florida, wieder außen vorließ. Und weil sich im Grunde abzeichnete, dass es für die Knights das zweite Jahr in Folge so kommen würde, hatte sich Central Floridas Athletic Director Danny White schon kurz nach dem Sieg gegen Memphis dazu kritisch geäußert. "Unser Team hat jetzt 25 Spiele in Folge gewonnen. Sie haben es verdient, in die Playoffs zu kommen, und ich hoffe, dass auch so entschieden wird. Sollte das nicht passieren, ist das meiner Meinung nach ein weiteres ziemlich deutliches Beispiel dafür, dass ein Playoff mit vier Teams für unsere Postseason nicht angemessen ist", sagte er. Das Problem seines Teams bleibt, dass es in einer Conference spielt, die unbestreitbar schwächer ist als die Power Five Conferences, und dass es deshalb ein vergleichsweise leichtes Programm spielt. In dieser Saison gab es für die Knights nur ein Spiel gegen ein anderes in den Top 25 platziertes Team: am 17. November gegen Cincinnati, das in der gleichen Conference spielt und als 24. der Playoff-Rangliste nach der Niederlage bei den Knights gleich wieder aus dieser herausflog.

Andererseits muss man selbst als Group-of-Five-Team erstmal 25 Spiele in Folge gewinnen, und am Ende der letzten Saison hatten die Knights mit dem Bowl-Sieg gegen Auburn, das zuvor in der Regular Season sowohl Alabama als auch Georgia geschlagen hatte, bewiesen, dass man es auch mit einem Top-Team aus einer Power Five Conference aufnehmen kann. Und: In diesem Jahr hätte man die Vergabe des vierten Playoff-Platzes an Central Florida besser begründen können als vor einem Jahr, weil es genug gibt, was gegen die drei namhafteren Kandidaten spricht. Georgia hat zweimal verloren und die zweite Niederlage (bei LSU) war eine mit 20 Punkten Differenz, Ohio State hat nicht nur bei Purdue hoch verloren sondern auch noch in einigen anderen Spielen, vor allem beim Overtime-Sieg gegen Maryland, nicht gut ausgesehen, und gegen Oklahoma sprechen neben der Niederlage gegen Texas die vier Siege mit nur einem "Score" Differenz, inklusive des glücklichen Overtime-Erfolges gegen Army, und eine für einen Playoff-Teilnehmer oft viel zu anfällige Abwehr.

Den Mut, mit der Wahl Central Floridas ein Zeichen dafür zu setzen, dass die Playoffs eine Veranstaltung für die ganze FBS sind und starke Group-of-Five-Teams eine echte Chance haben, die Playoffs zu erreichen, hatte das Selection Committee leider nicht. So bleibt der Hälfte der obersten Spielklasse weiterhin nur der Platz am sportlichen Katzentisch. Wenn man das ändern will, bleibt nur die von Central Floridas Athletic Director thematisierte Erweiterung der Playoffs. Die wird von den Conference Commissioners noch abgelehnt, mittelfristig aber wird sie kommen, gar nicht mal aus Gründen der sportlichen Wahrhaftigkeit oder aus Fairness gegenüber den Group of Five Conferences, sondern weil die aktuelle Situation schlecht ist für die Vermarktbarkeit der Marke College Football und ihres Filet-Stückchens Playoffs. Vom Ausgang der Spielzeiten (Titelgewinner, Teilnehmer am National Championship Game beziehungsweise jetzt an den Playoffs) her betrachtet, war der College Football seit den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts nicht mehr so eintönig wie in den letzten Jahren, und das zu kleine Playoff-Format fördert diese Entwicklung - ungewollt zwar - noch. Die Playoffs sind eine Sache für eine ganz kleine Gruppe von Teams. In diesem Jahr sind drei der vier Playoff-Teilnehmer die gleichen wie vor einem Jahr, und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es zum dritten Mal in den letzten vier Jahren zu einem Finale Alabama gegen Clemson kommt. Wenn das das Ergebnis der beiden Halbfinals werden sollte, gibt es daran natürlich nichts auszusetzen, aber wer außer den Fans dieser beiden Teams will das wirklich sehen? Die Playoffs brauchen mehr Abwechslung und deshalb wird die Diskussion um eine Erweiterung weiter an Fahrt aufnehmen, erst recht, wenn Central Florida gegen LSU ein zweiter Bowl-Coup gegen ein SEC-Team in Folge gelingen sollte.

Hoch - 03.12.2018

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