Franchise Tag statt Rentenvertrag

Alle vier mit dem Franchise Tag versehenen Spieler bekamen keinen langfristigen VertragDie Deadline für die Vereine, ihre Franchise Tags in langfristige Verträge zu verwandeln, ist seit Montag, 22 Uhr deutscher Zeit, vorüber. Von den verbliebenen Spielern Le’Veon Bell (Pittsburgh Steelers), DeMarcus Lawrence (Dallas Cowboys), Ezekiel Ansah (Detroit Lions) und Lamarcus Joyner (Los Angeles Rams) bekam keiner den erträumten langfristigen Multi-Millionen-Dollar-Vertrag; dieser ist jetzt erst nach Abschluss der kommenden Saison möglich.

Bereits deutlich vor Erreichen des Fristendes war durchgesickert, dass sich diesmal – im Gegensatz zu einigen früheren Jahren – nicht viel in letzter Minute bewegen würde.

Bei Pass Rusher DeMarcus Lawrence, der sich nach Verkündung des Tags im März beeilt hatte, sein Tag über 17,1 Millionen Dollar zu unterschreiben, war fast zu erwarten, dass man sich auf kein längerfristiges Arbeitspapier würde einigen können. Zum einen fehlte es noch an Konstanz (im Vorjahr hatte er 14,5 Sacks, die drei Jahre zuvor addiert gerade einmal neun Sacks), zum anderen war er bereits einmal aufgrund eines Dopingverstoßes gesperrt gewesen. Sollte er allerdings im nächsten Jahr die herausragende Saisonleistung 2017 bestätigen können, so dürfte ihm in der nächsten Offseason ein immenser Zahltag bevorstehen.

Ähnlich verhielt es sich bei Detroits Pass Rusher Ziggy Ansah: Der hatte zwar ebenfalls eine ganze Menge Sacks im Vorjahr (12), verteilte die aber zum großen Teil auf einige wenige Spiele (neun allein in drei Partien). Zwar wurde der ehemalige First Round Pick der Lions noch nicht suspendiert, kämpft jedoch immer wieder einmal mit Verletzungen. Zuletzt konnte er 2015 alle Saisonspiele bestreiten (und kam dabei auf beachtliche 14,5 Sacks – sein Karrierebestwert bislang).

Nicht ganz so eindeutig verhielt es sich bei Defensive Back Lamarcus Joyner in Los Angeles. Der Safety konnte sich nicht mit den Rams auf einen längerfristigen Kontrakt einigen, obwohl die Rams gerne etwas Platz im Salary Cap freigeschaufelt hätten, um womöglich den herausragenden, aber verständlicherweise mit seiner Bezahlung unzufriedenen, Defensive Tackle Aaron Donald endlich einmal angemessen zu entlohnen. Aber wie in den Jahren zuvor mit Cornerback Trumaine Johnson gelang dies nicht. Da bei den Rams mehrere Verträge im nächsten Jahr enden, könnte Joyner bei entsprechender Leistung auch tatsächlich zum hochpreisigen Unrestricted Free Agent werden.

Am meisten Hoffnung hatten noch die Fans der Steelers, dass Le’Veon Bell endlich sein heiß ersehntes mehrjähriges Arbeitspapier, dem er seit Jahren hinterherrennt, unterschreiben könnte. Mike Tomlin hatte sich am Wochenende noch optimistisch gezeigt, obwohl sich die beiden Parteien laut Ian Rapoport nicht annähern konnten.

Bell, wohl aktuell der beste Running Back der Liga, musste bereits im Vorjahr mit dem Tag spielen und hatte damals bereits seine Unzufriedenheit demonstrativ gezeigt. Trotz Verhandlungen bis zum Schluss konnte man sich auch damals nicht einigen und so erhielt er jetzt sein zweites Tag in Folge, verbunden mit einem Preisaufschlag.

Bell wird ca. 14,5 Millionen Dollar mit diesem Tag verdienen; eine Summe, die er gerne mehrere Jahre einstreichen würde, aber angesichts des "toten Running Back Marktes" klang das von Beginn an – trotz überragender Leistungen - relativ utopisch. Auch die Drohkulissen, dass er Spiele auslassen würde, nahmen wohl weder die Verantwortlichen der Steelers noch seine Berater tatsächlich ernst. Pro Spiel würden ihm mehr als 800.000 Dollar entgehen. Zudem sind die Steelers gerade nicht dafür bekannt, sich von Spielern die Konditionen des Salärs aufzwingen zu lassen. So verhandelte man zwar offiziell bis zur Deadline, aber dass es schließlich zu keiner Einigung kam, war wenig überraschend.

Am Ende kam es also wie erwartet und die vier Spieler bekommen zwar durchaus einige ansehnliche Millionen, haben aber im Fall einer Verletzung nicht die Absicherung eines gut dotierten (und teilweise garantierten) "Rentenvertrags".

Carsten Keller - 17.07.2018

Alle vier mit dem Franchise Tag versehenen Spieler bekamen keinen langfristigen Vertrag

Alle vier mit dem Franchise Tag versehenen Spieler bekamen keinen langfristigen Vertrag (© Carsten Keller)

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