Wenn zwei Minuten ein Spiel entscheiden...

Manchmal muss man einfach mal aus der Not eine Tugend machen. Und genau das machten die Red Knights aus Tübingen am vergangenen Samstag in Villingen-Schwenningen, als die Gäste gezwungen waren, mit einer Rumpfmannschaft beim Tabellen - Vorletzten, den Neckar Hammers, anzutreten. Und das machten sie gar nicht einmal schlecht... Genaugenommen machten es die Footballer aus der Studentenstadt sogar so gut, dass ein ungefährdeter 35:2 - Sieg dabei heraussprang.
Head Coach Sven Diether konnte zufrieden sein, denn der Sieg ging auch in dieser Höhe in Ordnung, weil Quarterback Simon Reich in seiner neuformierten Offensive diverse Stammspieler fehlten, und der Defense der Red Knights eigentlich gar keine Auswechselspieler zur Verfügung standen. Dennoch - oder vielleicht gerade deshalb - sollte es eben jene so stark gebeutelte Defensive Unit sein, die die Red Knights mit drei selbsterzielten Touchdowns zu einem nie und zu keiner Zeit gefährdeten Sieg führte.

Villingen-Schwenningen startete mit dem Angriffsrecht, von dem sie sich aber alsbald mit dem Punt im vierten Versuch verabschiedeten. Die Gäste waren vorsichtig genug, das Spiel nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Zwar belegten die Hammers "nur" den vorletzten Tabellenplatz der Tabelle in der Oberliga Baden-Württemberg, doch sind die Gastgeber deutlich besser, als es der Tabellenplatz widerspiegelt.

Der Punt der Hammers rollte bis zur 1 - Yardline, wo die Knights - Offensive ihren ersten Drive startete. Für diese war die Startposition jedoch keine allzugroße Herausforderung. Zuerst bediente Reich seinen Passempfänger Wolter mit einem 6 - Yardpass. Dann wiederholte Reich das Kunststück und Wolter legte entlang der Seitenlinie 93 Yards zurück, bis in die Endzone der Gastgeber. Aber ungestreift... Die Tübinger Gäste gingen in Führung, und mit Marin Dominikovic baute ein "alter Bekannter" die Führung zum 7:0 für Tübingen aus. Dominikovic sollte übrigens auch alle weiteren Zusatzpunkte in bewährter Marnier verwandeln.

Das Spiel plätschert auf beiden Seiten hin und her. Beide Teams taten sich gegenseitig nicht allzuviel. Das Angriffsrecht wechselte nun ein wenig öfter. Es schien, als wollten beide Mannschaften erst einmal verschnaufen und ganz tief Luft holen für den großen Wurf. Den Red Knights sollte das nur Recht sein. Da sie ohnehin schon auf viele Spieler verzichten mussten, war die Spielerdecke hauchdünn, da war jedes Päuschen buchstäblich Gold wert.

Was dann passierte, lässt sich nicht beschreiben, das muss man mit eigenen Augen gesehen haben, weil man es sonst nicht glaubt. 300 Zuschauer trauten ihren Augen nicht. Drei Touchdowns innerhalb von zwei Minuten bekommt man nicht alle Tage zu sehen. Schon gar nicht in der Defense.

Zuerst angelte sich Jakob Bangen einen freien Ball der Hammers und trug ihn über das halbe Feld zurück in die Hammers - Endzone. Touchdown Nummer 1. Unmittelbar darauf verlor der Quarterback der Hammers bei einem Sack - Versuch von Jens Hasenmaier das Leder, und dieses Mal war es Salvatore Mauro, der Bangen nacheiferte. Touchdown Nummer 2!!!

Wird ein Spieler neu ins Spiel gebracht, und zeigt ansprechende Leistungen, so spricht man oft von einem "Einstand nach Maß". Bei Simon Reich konnte man dies getrost behaupten, bei seinem Gegenüber, den die Hausherren nun als Back Up - Quarterback ins Rennen schickten, dagegen eher nicht! Dieser erwischte einen rabenschwarzen Moment, als dieser einen Pass geradewegs in die Arme von Wes Powell pfefferte. Der dankte es auf seine eigene Weise, und returnierte das "Ding" zum dritten Defense - Touchdown in Folge innerhalb von zwei Minuten. Mit 0:28 aus Sicht der Hausherren verabschiedeten sich beide Teams in die Halbzeit.

Es hätte durchaus den Anschein haben können, als wären die Hammers hoffnungslos unterlegen, doch der Schein trügte. Die Red Knights profitierten von vier "Big Plays", denen sie die Führung verdankten, denn eigentlich war es ein Spiel auf Augenhöhe.

Auch in der zweiten Halbzeit tat die Verteidigung der Knights ihr Übriges, um die Hütte sauberzuhalten. Back Up - Quarterback Christian Graf bekam dann auch noch seine Spielzeit verordnet, und nutzte diese, indem er seinen ersten Touchdown - Pass auf Wolter zum 34:0 aus Sicht Tübingens warf. Mit dem Zusatzpunkt von Dominikovic zogen die Gäste erst einmal auf 35:0 uneinholbar davon, ehe die Schwenninger das Ergebnis, dank eines Safeties, etwas freundlicher gestalten konnten. Das 2:35 bedeutete gleichzeitig den Endstand dieser Begegnung.

Tübingen konnte sich glücklich schätzen, gerade noch einmal die Kurve gekriegt zu haben. Dank einer geschlossen Mannschaftsleistung - trotz etlicher Ausfälle - hat man diese Aufgabe erfolgreich gemeistert, und sich im Rennen um die Meisterschaft alle Optionen offengehalten.

Am 08.07.2018 folgt dann die nächste schwere Herausforderung in Backnang. Bis dahin hofft man bei den Red Knights, wieder alle Spieler gesund an Bord zu haben.


Axel Luley - 21.06.2018

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