Unicorns müssen sich strecken

Christian Hafels steuerte einen Touchdown im dritten Viertel bei.Es war das angekündigte Footballfest in der In(n) Energie Arena in Kirchdorf, aber das Spiel hatte am Ende auch den erwarteten Sieger: Der deutsche Meister Schwäbisch Hall Unicorns siegte beim Aufsteiger Kirchdorf Wildcats mit 29:0. So konnten beide Mannschaften den Platz erhobenen Hauptes verlassen. Schwäbisch Hall nahm die fest einkalkulierten Punkte mit, die Kirchdorfer freuten sich darüber, dass ihre Defense dem passgewaltigen Angriff der Unicorns lange Zeit Paroli bieten konnte.

Nach dem ersten Viertel hatte es noch immer 0:0 gestanden und dank der von Defensive Coordinator Florian Berrenberg hervorragend eingestellten Defense schienen die Footballer des TSV Kirchdorf auf Augenhöhe mit dem deutschen Meister. Erst im zweiten Viertel konnte die Offense der Unicorns mit einem Lauf von Jannis Fiedler mit 7:0 in Führung gehen. In den bisherigen Spielen hatten die Unicorns zu diesem Zeitpunkt die Partien durch Serien von Touchdown-Pässen üblicherweise bereits entschieden - nicht gegen Kirchdorfs Defense. Korbinian Reichenberger, Lukas Schießer und Shannon Smith waren verantwortlich dafür, dass die Schwäbisch Haller nicht zu ihrem gewohnt starken Passspiel kahmen. Und Dartez Jacobs lieferte erneut eine Riesenpartie auch gegen die Top-Receiver der Unicorns.

Erst kurz vor der Pause kamen die Haller mit einem Safety zum 9:0. So ging es auch in die Halbzeitpause. 1.100 Zuschauer feierten den knappen Rückstand. Aber der Safety hatte es bereits angedeutet: Die eher schwache Leistung der Offense von Kirchdorf war das Manko beim Aufsteiger. Running Back Alexander Braunsperger musste zahlreiche harte Tackles einstecken und schien auf verlorenem Posten. Im Wildcats-Passspiel lief nicht viel zusammen. Quarterback Cameron Birse hatte nicht den besten Tag. Zwar konnten die Wildcats einige First Downs erzielen, aber drei Interceptions waren auch der Grund, warum Schwäbisch Hall immer wieder in eine gute Feldposition kam.

Insofern nahmen auch die Haller wichtige erfreuliche Erkenntnisse mit nach Hause. Erstens können sie erwarten, dass möglicherweise auch ihre Konkurrenten um Rang eins aus Frankfurt in Kirchdorf einen schweren Stand haben könnten. Zweitens bestätigte sich, dass sie wie bereits im letzten German Bowl und anders als in den Jahren davor sich jederzeit darauf verlassen können, dass auch ihre Defense mal ein Spiel bestimmen kann, selbst wenn der eigene Angriffsmotor doch einmal stocken soll. Und so lange man das "zu Null" hält, das ist eine Binsenweisheit, gibt es meistens am Ende irgendwie doch noch die benötigten Punkte zum Sieg.

Diesmal waren es zwei Touchdown-Pässe auf Christian Hafels und Nathaniel Robitaille im dritten Viertel zum 23:0 - danach ging der Defense der Wildcats langsam der Saft aus. Obwohl noch immer gegen gute Feldpositionen der Haller verteidigt wurde, reichte es später für zwei Field Goals zum im letzten Viertel für den deutschen Meister. Punkte für den Angriff der Wildcats schienen selten in Reichweite und fielen bis zum Ende auch nicht. Am Ende war die Niederlage so noch klar, aber "nur" 29 Punkte vom Meister zu kassieren, wird wenig anderen Mannschaften dieses Jahr gelingen. Auch Halls Head Coach Jordan Neuman lobte die Kirchdorfer: "Wir wussten, dass Kirchdorf als Aufsteiger ein gutes Team ist. Ihre Defense hat uns das Leben heute schwer gemacht".

Für die Wildcats bescheinigte Defensive Coordinator Florian Berrenberg seiner Abteilung eine grandiose Vorstellung: "Es ist uns vieles gelungen heute. Meine Jungs haben einen guten Job gemacht". Was eben noch verbesserungwürdig wäre, wäre der Angriff der Wildcats. Dies sprach auch Head Coach Christoph Riener in der Abschlussbesprechung an. "Es gibt noch viel zu arbeiten in den nächsten zwei Wochen, damit wir gegen Marburg im eigenen Stadion einen Sieg einfahren. Alles andere werde ich aber auch nicht akzeptieren", so der Coach. Eine ziemliche Ansage - aber selbst eine Shutout-Niederlage kann unter solchen besonderen Umständen wie ein moralischer Sieg erscheinen und tatsächlich Basis für kommende Großtaten werden. Einstweilen jedenfalls feierten die Kirchdorfer Fans ihr Team trotz der Niederlage, und der Applaus auf der Ehrenrunde war ihm gewiss.

Auerbach - 20.05.2018

Christian Hafels steuerte einen Touchdown im dritten Viertel bei.

Christian Hafels steuerte einen Touchdown im dritten Viertel bei. (© Miladinovic)

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