Phantoms bezwingen auch Gießen

Vielleicht hecken die Wiesbaden Phantoms 2018 doch mehr aus, als sie verraten wollen."Wir hatten Glück", brachte es Wiesbadens Head Coach Andy McMillan auf den Punkt, und tatsächlich hatten es die Gießen Golden Dragons im GFL-2-Vergleich in der Hand, beim Stand von 20:15 per Touchdown noch an ihren Gastgebern Wiesbaden Phantoms vorbeizuziehen. Die Wiesbadener hatten im Spielverlauf zu viele Fehler gemacht und zu viele Punkte liegen gelassen, um eineinhalb Minuten vor dem Schlusspfiff schon durchatmen zu können.

Doch als es darauf ankam, war die Phantoms-Defense – lautstark unterstützt durch lärmende Wiesbadener Fans – zur Stelle und agierte im Gegensatz zur Gießener Offense ruhig und abgeklärt. Das 20:15 brachten die Phantoms schließlich über die Runden, da es die Golden Dragons sieben Sekunden vor Schluss nicht mehr schafften ihrem dritten Versuch sieben Yards vor der Phantoms-Endzone noch anzuspielen.

Nun sind es also bereits sechs Punkte "gegen den Abstieg", wie man in Wiesbaden nicht müde wird zu betonen. Aber drei Siege aus drei Spielen sprechen ihrerseits dafür, dass die umformierte junge Mannschaft nicht wirklich schlechter sein muss als die des letzten Jahres, ganz im Gegenteil scheint sie sogar abgeklärt genug, eben auch die knappen Spiele zu gewinnen.

Diesmal hatten die Phantoms in der Partie auch lange geführt: Den ersten Drive des Spiels stoppten die Gießener knapp vor ihrer Endzone, Nico Strahmanns Field-Goal-Versuch misslang zwar ebenso wie der nach dem zweiten Drive, den Strahmann selbst mit einer Interception einleitete. So wie sein erster Kick knapp rechts am Tor vorbei flog, verfehlte sein zweiter das Tor links. Aber zunächst hielt Wiesbadens Defense eben das 0:0, Jeremy Conley fing einen weiteren Pass von Gießens Quarterback Carson Williams ab und brachte sein Team damit für den Beginn des zweiten Viertels in Position. Wiesbadens Quarterback Niklas Woelbert führte die Phantoms über das Feld, und Cordarious Mann brachte das 6:0 aufs Scoreboard. 18 Yards überbrückte der pfeilschnelle Running Back.

Die bisherige Schwäche der Phantoms fand eine Fortsetzung, denn wieder misslang ein Zusatzpunkt. Kicker Peter Müller bekam erst gar keine Gelegenheit, das Ei zu treten, denn Holder Woelbert disponierte nach einem schwachen Snap um und versuchte eine Conversion... die misslang. Danach dominierten die Defenses für das gesamte Viertel. Ein Snap der Golden Dragons wurde kurz vor der Halbzeit dann von Kicker Marc Barque nicht unter Kontrolle gebracht und von Jeremy Conley zu einem Safety umgemünzt. Mit 8:0-Vorsprung für Wiesbaden ging es in die Pause.

Bis Mitte des letzten Viertels hielten die jeweiligen Abwehrriegel. Höhepunkt des dritten Abschnitts war eine Interception der Gäste, die daraufhin mit Ballbesitz ins vierte Viertel gingen. Knapp fünf Minuten später waren es aber die Phantoms, die ihren Vorsprung auf 14:0 ausbauten. A.J. Springer fing einen Woelbert-Pass, bevor erneut der Snap zum PAT-Kick zu ungenau war, Woelbert den Ball für Peter Müller nicht aufsetzte und der Conversion-Pass erneut nicht sein Ziel fand.

Innerhalb von nur vier Minuten glichen die Gießener danach nicht nur aus, sondern gingen sogar mit 15:14 in Führung: 4:40 Minuten vor Spielende passte Williams auf Joel Stefanos, der Conversion-Pass fand Erich Heinz, und nur 91 Sekunden später hatten die Zuschauer einen zweiten Heinz-Catch gesehen, und die Phantoms erhielten nun im Rückstand ein letztes Mal den Ball.

Lange dauerte es nicht, bis Woelbert sein Team bis auf fünf Yards an die Endzone der Gäste herangebracht hatte, und Mann überbrückte die fehlenden Yards durch die Mitte. McMillan setzte auf Risiko, versuchte die Conversion, doch der Pass wurde von der Defense der Gießener abgewehrt. Also begann nun das Zittern für Wiesbaden, denn in nur 80 Sekunden führte Dragons-Spielmacher Williams die Gäste bis zwei Yards an die Endzone heran. Der nächste Pass wurde nicht gefangen, der zweite Versuch endete im Feld, und die Uhr tickte gegen die Gießener, denen es nicht mehr gelang, ihre letzten sieben Sekunden für ein weiteres Play zu nutzen.

Für Gießen war es die zweite Niederlage, für Wiesbaden der dritte Sieg - aber von den Verantwortlichen wird dies als nichts weiter als ein kleines Polster gegen den Abstieg gesehen. Dem pflichtet auch Quarterback Niklas Woelbert bei, der unterstrich, dass sein Team noch viele Baustellen zu bearbeiten habe. "Mich selbst eingeschlossen. Ich bin heute wirklich sehr unzufrieden mit meiner Leistung..." Zumindest für knapp 24 Stunden waren die Phantoms damit nun Tabellenführer der GFL 2 Süd. Dann spielt der haushohe Meisterschaftsfavorit Saarland Hurricanes bei den Nürnberg Rams. Das "Spitzenspiel" zwischen den Hurricanes und den Phantoms findet anschließend am 12. Mai im Saarland statt. Wie viel genau die bisherigen drei Phantoms-Siege also wirklich wert sind, wird sich bald zeigen.

Auerbach - 06.05.2018

Vielleicht hecken die Wiesbaden Phantoms 2018 doch mehr aus, als sie verraten wollen.

Vielleicht hecken die Wiesbaden Phantoms 2018 doch mehr aus, als sie verraten wollen. (© Wiesbaden Phantoms)

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