Zehn Punkte für einen Touchdown

Begeisternder Jubel soll sich endlich lohnen.Das Owner’s Meeting der NFL in Orlando beschloss eine Reihe kleinerer Regeländerungen, die allesamt zum Ziel haben, das Spiel für die Fans attraktiver zu machen. Auch die Präzisierung der Bestimmungen zu Passfängen gehört in diese Kategorie. In den letzten Jahren waren ja zu oft die kühle und häufig nicht nachvollziehbare Regelinterpretation der Schiedsrichter und die Begeisterung der Fans auf den Tribünen gerade bei den spektakulärsten Aktionen auseinander geklafft.

Eine weitere und noch gravierendere Regeländerung wurde zunächst aber noch vertagt - wahrscheinlich aber nur um wenige Tage. Die von der Liga unter dem Arbeitstitel "Touchdown 4.0" vorgesehene Modifikation soll nichts weniger als den Football der Zukunft definieren. Und auch hier geht es darum, den Fan stärker in den Mittelpunkt zu stellen. "Das System des Extrapunktes per Kick hat sich überholt", zeigte sich NFL Commissioner Roger Goodell bei der Vorstellung des Vorschlages der Regelkommission überzeugt. "Touchdowns sind die Höhepunkte des Spiels, das zeigen alle unsere Umfragen und alle Messungen der TV-Einschaltquoten. Aber der normale Kick nach dem Touchdown ist einfach antiklimaktisch und kostet die Fernsehsender einen wichtigen 30-Sekunden-Werbeplatz."

Wohl aber, da sind sich Regelkommission, Ligabüro und im Grunde alle Owner einig, braucht es natürlich weiter die Möglichkeit von Zusatzpunkten. Vor allem auch deswegen, weil sie die Hoffung der zurückliegenden Mannschaft nähren, schneller aufholen zu können, und damit insgesamt die Spannung weiter erhöhen. Um diesen Effekt nun sogar zu verstärken, soll ein Touchdown künftig bis zu zehn Punkte zählen statt bisher nur sechs, sieben oder acht. Und dabei möchte man genau den revolutionären Schritt gehen, hier die Fans stärker einzubinden. Goodell: "Unsere Spieler arbeiten in der Offseason wochenlang an ausgefeilten Touchdown-Choreographien, und die Fans lieben es. Mal ehrlich: Wieso zählt ein gekonnter Sprung in einen Spendentopf der Heilsarmee keine Punkte? Wieso gucken wir uns an, dass 40-jährige Kicker auf den Platz trotten, um einen langweiligen Kick für einen einzigen Punkt zu machen?"

Die sozialen Medien machen es möglich: Künftig soll es nach jedem NFL-Touchdown über verschiedene Plattformen und natürlich die ligaeigene Game-Pass-Anwendung eine weltweite Fan-Abstimmung über den gezeigten Touchdown-Jubel geben, womit über die Vergabe von eben null, ein, zwei, drei oder vier Extrapunkten entschieden wird. Damit schlägt die Liga mehrere Fliegen mit einer Klappe: Die Abstimmung verwirklicht die angepeilte stärkere Einbeziehung der Fans, ermöglicht den TV-Sendern, einen kontinuierlichen Werbeblock nach Touchdowns ohne Unterbrechung einzuplanen, sorgt für deutlich mehr Unterhaltung, spannendere Spiele, setzt ein deutliches Zeichen an die neu geplanten Konkurrenzligen und vieles mehr. Zum Beispiel, wie es ein Owner schon beschrieben haben soll: "Stellt euch vor, was TV-Moderatoren auf der ganzen Welt durch die sich ergebenden neuen arithmetischen Möglichkeiten künftig zu jeder Sekunde spekulieren können. Selbst 19 Punkte Vorsprung werden nur noch ein ‘Two Touchdown Game’ sein - das kann man in 30 Sekunden aufholen!"

Einig waren sich in Orlando alle - bis auf die Schiedsrichter. Verständlich, vor nicht allzu langer Zeit mussten sie noch Strafen für Aktionen verhängen, die künftig Punkte bringen sollen. Ihr Kompromissvorschlag sah nun vor, in Abstimmung mit den Video-Schiedsrichtern im Liga-Hauptquartier den Referee auf dem Feld die Anzahl der zu vergebenden Zusatzpunkte bestimmen zu lassen. "Das sind doch keine Zebras, das sind Dinosaurier. Die kapieren überhaupt nicht, worum es geht", soll einer der Liga-Marketing-Manager über den Hotelflur vor den Tagungsräumen gebrüllt haben. Doch egal: Die Schiedsrichter konnten die Entscheidung nur hinauszögern, werden sie aber nicht verhindern können. Am Abend des 1. April tagt das Schlichtungsgremium der Liga für solche Streitfälle, die Referees haben dort eigentlich keine Chance, eine Mehrheit zu bekommen und dies weiter zu blockieren

Dass die Einführung von "Touchdown 4.0" und damit den bis zu zehn Punkten für einen Touchdown beschlossene Sache sein dürfte, zeigen auch erste Aktionen der NFL-Teams. Die New England Patriots sind eine strategische Partnerschaft mit der Firma "Oxford Barometica" eingegangen, über den genauen Inhalt der Vereinbarung wurde Stillschweigen bewahrt. Die Firma ist eine Ausgründung der englischen Elite-Universität, die sich mit der Analyse und Verarbeitung von "Big Data" speziell hinsichtlich Nutzerprofilen in sozialen Medien beschäftigt. Und auffällig ist auch: Die New York Giants haben ihren 2017 entlassenen Running Back Rashad Jennings mit sofortiger Wirkung wieder verpflichtet. Jennings hatte letztes Jahr mit Tanzpartnerin Emma Slater den Wettbewerb bei "Dancing with the Stars", (der US-Version von "Let’s Dance") gewonnen. Bei den Los Angeles Rams wiederum wurde bereits ein neuer Posten im Trainerstab geschaffen: Als "Assistant Special Head of Celebratory Routine Development, Deployment and Execution Managing Professional Advisor" soll der kanadische Filmstar Ryan Gosling, der die Hauptrolle in "La La Land" spielte und tanzte, vorgesehen sein und ab Juli mit ins Trainingscamp des Teams reisen.

Vorläufig wird die Neuerung auf die NFL beschränkt bleiben. Bei der NCAA, die für den College Football in den USA zuständig ist (und deren Regeln weltweit im Amateur-Football übernommen werden), zeigt man sich zwar höchst interessiert, verweist aber darauf, dass Neuerungen erst nach reiflicher Überlegung eingeführt werden sollten. "Wir halten dies, gerade da wir mit unseren studentischen Spielern natürlich die Zukunft besonders im Blick haben, gleichwohl für einen guten Entwicklungsansatz unser Freunde von der NFL", hieß es aus dem NCAA-Hauptquartier. Derzeit aber sei man mit der seit den 90er Jahren diskutierten und seit einigen Spielzeiten mit Halbfinal-Spielen begonnenen Einführung von College Football Playoffs beschäftigt - ein Modus mit einem Viertelfinale oder gar Achtelfinale könne bereits in den 2040er Jahren aber denkbar sein. "Und anschließend" - so ein NCAA-Sprecher - "haben wir in unserer langjährigen Planung bis etwa 2065 vorgesehen, eine gerechte und dem Amateurstatus wahrende Regelung zur teilweisen Bezahlung unserer Spieler zu finden." Danach aber stehe ähnlichen Regelungen zum Touchdown wie in der NFL schon bald nichts mehr im Wege. "Sicher ist nur, dass wir dann die Meinung der Fans nur zu einem Teil berücksichtigen werden. Unsere vorläufigen Vorstellungen würden vorsehen, ein paritätisch von allen Universitäten, Medien und Regierungsvertretern gebildetes "Touchdown Celebration Evaluation Committee" zu bilden, dessen dann etwa 400 bis 500 Mitglieder in einem fairen und von Expertenmeinungen bestimmtem Verfahren die Punktvergabe regeln könnten."

April, April - 01.04.2018

Begeisternder Jubel soll sich endlich lohnen.

Begeisternder Jubel soll sich endlich lohnen. (© Getty Images)

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