"Das ist halt AFC North Football"

Hat es wieder getan K Chris Boswell SiegfieldgoalDas war ein Spiel in bester Tradition zwischen den heimischen Cincinnati Bengals und den Pittsburgh Steelers. Teilweise überhart geführt und mit etlichen Aktionen, weit über das Maß des Erlaubten hinaus versehen, sahen die Zuschauer einen knappen 23:20 Erfolg der Pittsburgh Steelers. Zum dritten Mal in den letzten vier Wochen sicherte K Chris Boswell mit einem Field Goal in letzter Minute den Steelers den Sieg, den siebenten in Folge.

Die Liste der Personal Fouls in dieser Partie war lang und einige Geldstrafen und Spielsperren werden wohl noch folgen. Insgesamt kann man die Spielstatistik auf folgende Formel verkürzen: Ben Roethlisberger 290 Yards, Andy Dalton 234 Yards und die Referees 239 Yards. Neben zwei übertrieben pingeligen Entscheidungen, beiden Teams wurde je ein Touchdowns aberkannt, gab es auch etliche berechtigte Personal Foul-Strafen.

Am auffälligsten war vielleicht die gegen Steelers-WR JuJu Smith-Schuster, der sich Bengals-LB Vontaze Burfict in dessen toten Winkel näherte und ihn im vollen Lauf umrannte. Burfict blieb benommen liegen und Smith-Schuster baute sich zu allem Überfluss auch noch triumphierend über ihn auf, bis G David DeCastro den Jungspund zur Seite drängte. Doch war Smith-Schuster schon von Flaggen umringt.

Oder der Penalty gegen CB George Iloka, der WR Antonio Brown bei dessen Touchdown in der Endzone mit seinem Helm Browns Kopf in übelster Weise attackierte. Dann gab es da noch DT Geno Atkins, der einem wehrlosen Roethlisberger den Helm in den Rücken rammte und noch etliche andere Aktionen könnte man hier aufzählen. Beide Teams schenkten sich nichts.

"Das war keine Werbung für den Football", twitterte der ehemalige Quarterback der Cowboys Troy Aikman noch während der Partie. Und Ben Roethlisberger, auf diese Aktionen unmittelbar nach dem Schlusspfiff angesprochen, erwiderte recht lapidar: "Das ist halt typischer AFC North Football."

Wenn die Spieler beider Teams gerade einmal nicht dabei waren sich das Hirn aus dem Kopf zu prügeln, wurde dann und wann auch mal Football gespielt. Dabei nahm das Spiel einen aus vielen Partien zwischen diesen Teams bereits bekannten Verlauf. Die Bengals spielten die Steelers in der ersten Halbzeit förmlich an die Wand, ehe die Steelers in der zweiten Hälfte den Spieß umdrehten und am Ende knapp und glücklich gewannen.

WR A.J. Green erzielte zwei Touchdowns auf Vorlage von Andy Dalton und K Randy Bullock steuerte ein Field Goal zur deutlichen 17:0-Führung bei. Doch das Ungemach für die Bengals deutete sich noch vor der Halbzeitpause an. Unmittelbar nach Greens zweiten Touchdown kamen die Steelers in Ballbesitz und hatten noch 31 Sekunden Zeit etwas zu bewegen.

Zwei Pässe reichten aus, um von der eigenen 17-Yard-Linie zur 12-Yard-Linie der Bengals zu gelangen. Zuerst erlief RB Le'Veon Bell mit einem kurzen Screen-Pass von Roethlisberger 33 Yards. Danach sorgte ein Strafe gegen CB Dre Kirkpatrick für weitere 38 Yards. Da nur noch fünf Sekunden zu spielen waren, entschieden sich die Steelers für ein Field Goal von Boswell und verkürzten auf 3:17 aus Sicht der Steelers. Doch diese erfolgreiche Angriffsserie veränderte den weiteren Spielverlauf komplett.

Nach dem Wiederanpfiff spielten nur noch die Offense der Steelers und Bell verkürzte schon bald nach Wiederanpfiff mit einem Touchdown der eher bizarren Sorte auf 10:17. Während er an der Seitenlinien entlang sprintete, waren sich LB Jordan Evans und CB William Jackson nicht ganz einig, wer Bell denn nun tackeln sollte. Im Zweifelsfall entschieden sich beide dagegen und der etwas verdutzte Bell lief ungehindert in die Endzone. Die Verwirrung war zunächst groß, aber die Fernsehbilder zeigten eindeutig, dass Bell nicht die Seitenlinie berührt hatte, worauf wohl Evans und Jackson vertraut hatten.

Ein Touchdown durch Antonio Brown im letzten Spielabschnitt, sowie zwei weitere Field Goals von Boswell, das letzte vier Sekunden vor Spielende sicherte den Gästen aus Pittsburgh letztendlich den Sieg.

"Wir müssen gegen Ende einer Partie einfach besser spielen. Sei es, dass wir mal einen weiteren First Down mit unserer Offense holen oder dass unsere Defense den Gegner auch mal zu einem Punt zwingt. Wir aber haben einfach nur noch zugeschaut wie die Steelers 13 Punkte im letzten Viertel gemacht haben. Letztendlich waren zwei Sachen für unsere Niederlage entscheidend, die letzte Angriffsserie der Steelers in der ersten Halbzeit und das letzte Viertel. In den wirklich kritischen Phasen des Spiels waren wir einfach nicht präsent", zeigte sich Head Coach Marvin Lewis sichtlich enttäuscht.

"Cincinnati hat uns in der ersten Halbzeit klar dominiert. Das muss man anerkennen. Aber zum Glück haben wir in der zweiten Halbzeit das Spiel noch drehen können", blieb sein Gegenüber Mike Tomlin schmallippig. Gleichzeitig konnte er noch keine Informationen zu LB Ryan Shazier geben, der sich, allerdings ohne unerlaubte Fremdeinwirkung, schwer am Rücken verletzte und nicht aus eigener Kraft vom Feld kam. Er wurde noch während der Partie ins Krankenhaus gefahren.

Shazier ist wohl noch immer im Krankenhaus zur Behandlung. Die Ärzte konnten aber insoweit Entwarnung geben, dass Shazier inzwischen wieder völlige Bewegung in Armen und Beinen hat. Nach erster ärztlicher Einschätzung soll es sich um eine schwere Wirbelsäulenstauchung mit ausgedehntem Bluterguss handeln. Eine Operation wird vermutlich nicht nötig sein, vermeldete die Steelers inzwischen auf ihrer Website.

Korber - 05.12.2017

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Hat es wieder getan K Chris Boswell Siegfieldgoal (© Getty Images)

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