Viel passiert, wenig verändert

Michigan State sorgte mit dem Sieg im Lokalderby bei Michigan für eine der beiden großen Überraschungen des letzten Spieltages.Der erste Spieltag im Oktober hatte jede Menge zu bieten. Zwei Teams aus den Top Ten der Journalisten- und Coaches-Ranglisten verloren gegen nicht platzierte Teams, Oklahoma mit 31:38 gegen Iowa State und Michigan mit 10:14 gegen Michigan State, der letztjährige Heisman-Trophy-Gewinner Lamar Jackson wurde bei der 25:39-Niederlage seines Teams, Louisville, bei North Carolina State als Hauptkandidat auf den erneuten Gewinn der Auszeichnung entzaubert, und die Partie Florida State gegen Miami (20:24) war mit ihrem dramatischen Finish ein "Instant Classic" in der an packenden Spielen reichen Geschichte dieses Lokal-Derbys. Dennoch, mit Blick auf den Kampf um die Playoff-Plätze hat sich wenig verändert - außer, dass der Kreis der Teams mit realistischen Playoff-Ambitionen eher noch größer geworden ist. Mindestens einem Dutzend Teams darf man zum jetzigen Zeitpunkt Chancen auf eine Playoff-Teilnahme einräumen, und da ist Notre Dame, dessen einzige Niederlage eine mit einem Punkt Differenz gegen Georgia war, noch nicht einmal mitgerechnet. Den Fans kann es recht sein.

Für die beiden großen Verlierer vom Samstag, Oklahoma und Michigan, gilt dasselbe wie zuvor schon für die Playoff-Kandidaten Ohio State und USC nach ihren Niederlagen im September: Die Niederlage ist noch nicht das Ende aller Träume. Wenn man fortan kein Spiel mehr verliert und seine Conference gewinnt, kann man einen der vier Plätze in der KO-Runde immer noch erreichen. Für Michigan dürfte dieses Ziel aber nur schwer zu erreichen sein. Bei der Niederlage gegen Michigan State zeigte sich, dass das nach der letzten Saison stark umgekrempelte Team vor allem in der Offensive mehr Zeit brauchen wird, um wieder das Niveau der Saison 2016 zu erreichen. Angesichts des schweren Restprogramms ist es im Moment eher unwahrscheinlich, dass die Wolverines allen übrigen Spiele (u.a. gegen Ohio State, Penn State und Wisconsin) gewinnen werden. Oklahoma hat dazu die besseren Chancen, aber bei den Sooners könnte sich diese eine Niederlage gegen Iowa State als besonders teuer erweisen, wenn es bei der Vergabe der Playoff-Plätze mit anderen Conference Champions gemessen wird, die ihre einzigen Niederlagen gegen stärkere Teams kassiert haben.

Das Beispiel der Saison 2014, als Ohio State trotz einer Heimniederlage gegen ein späteres 6-6-Team (Virginia Tech) in die Playoffs einzog und dann sogar National Champion wurde, zeigt, dass auch Niederlagen gegen deutlich schwächere Teams noch ausgebügelt werden können, aber einmal abgesehen davon, dass die damalige Vergabe des vierten Playoff-Platzes an Ohio State umstritten war, wiederholen sich solche Konstellationen auch nicht ständig. Das ist im Moment natürlich alles noch Zukunftsmusik, weil die meisten Teams inzwischen aber schon die Hälfte ihrer Regular-Season-Spiel hinter sich haben, lohnt schon mal ein bischen Spekulation darüber, wie es in den Power Five Conferences in Sachen Conference-Titel und Playoff-Chancen laufen könnte.

ACC

In der ACC ist die Situation am klarsten. Der letztjährige National Champion Clemson spielt bislang souveräner als in der Meister-Sasison, hat zwei seiner drei stärksten Regular-Season-Gegner, Virginia Tech und Louisville, bereits geschlagen und hat, sofern nichts Außergewöhnliches mehr passiert, freie Bahn Richtung Conference-Finale. Die größte Hürde in den verbleibenden sechs Spielen ist die Partie bei North Carolina State am 4. November. Ungefährlich ist diese Aufgabe nicht, zumal sich North Carolina State mit den Siegen gegen Florida State und Louisville inzwischen als Nummer zwei hinter Clemson in der Atlantic Division etabliert hat, aber wer beide Teams in den letzten Wochen mehrfach in Aktion gesehen hat, kann sich nicht wirklich vorstellen, dass die Tigers dieses Spiel verlieren werden. Florida State und Louisville, vor der Saison die Hauptkonkurrenten der Tigers, sind mit jeweils zwei Conference-Niederlagen praktisch raus aus dem Rennen um Platz eins. Florida State, das am letzten Samstag gegen Miami sein bisher bestes Spiel machte, hat sein Duell mit Clemson noch vor sich (11. November), aber selbst wenn den Seminoles die Überraschung gelänge, bräuchten sie noch eine weitere Niederlage der Tigers, um an ihnen vorbeizukommen. Im ACC Championship Game, würde Clemson, wenn das alles so kommt, wahrscheinlich auf den Sieger des Spiels Miami gegen Virginia Tech (4. November) treffen. Virginia Tech hat Clemson Ende September gespielt und klar verloren, und dass es Miami anders ergehen würde, ist zum jetzigen Zeitpunkt unwahrscheinlich. Die Hurricanes sind im Angriff zu unausgewogen, leben zu sehr nur von den Pässen von QB Malik Rosier, und bei ihm liegen Licht und Schatten oft zu dicht beieinander. Gegen eine Top-Defense wie die von Clemson würde er nicht bestehen können.

Big Ten

In der Big Ten ist die Situation deutlich spannender. Die drei Top-Kandidaten auf den Conference-Titel - Ohio State, Michigan und Penn State - spielen in der gleichen Division (East), und durch Michigan States Überraschungserfolg bei Michigan ist aus dem Dreikampf sogar ein Vierkampf um den Einzug ins Conference-Finale geworden. Die besten Karten, aus diesem als Sieger hervorzugehen, hat Ohio State. Zwar haben die Buckeyes bereits einmal verloren, aber außerhalb der Conference (Anfang September gegen Oklahoma). Gegen zwei der drei Divisionsrivalen, Penn State und Michigan State, spielt man zu Hause, und die Partie bei Michigan Ende November ist für den Einzug ins Big-Ten-Finale vielleicht gar nicht mehr wichtig. Die Buckeyes haben allerdings ein größeres Ziel, den Einzug in die nationalen Playoffs, und müssen deshalb ohnehin alle restlichen Spiele gewinnen. Penn State hat bislang das leichteste Programm dieser vier Teams gespielt. Der Härtetest steht zwischen dem 21. Oktober und dem 4. November bevor, wenn man zunächst gegen Michigan und anschließend bei Ohio State und Michigan State spielt. Am schwierigsten ist die Lage für Michigan, weil es nach der Pleite gegen den Lokalrivalen im Grunde kein weiteres Spiel verlieren darf und im Gegensatz zu den drei anderen als einziger auch noch gegen das Top-Team der West Division, Wisconsin, spielen muss (am 18. November in Madison). Gut möglich, dass die Wolverines am Ende dem Erzrivalen Ohio State die Saison vermiesen, ohne selbst davon profitieren zu können. Michigan State wiederum wirkt im Moment noch eher wie das Zünglei an der Wage. Ob für die Spartans mehr drin ist, entscheidet sich am 4. und 11. November (zunächst Heimspiel gegen Penn State, dann auswärts bei Ohio State).

Big Twelve

TCU ist im Moment der größte Playoff-Hoffnungsträger der Big Twelve, weil es als einziges Team noch ohne Niederlage ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass das so bleibt, ist nicht groß. Das letzte Wochenende hat mit Oklahomas Patzer gegen Iowa State und dem mühevollen Sieg von TCU gegen West Virginia gezeigt, dass in dieser Conference mit Ausnahme von Kansas Jeder gegen Jeden gewinnen kann und weil in der Big Twelve in der Regular Season auch Jeder gegen Jeden spielt und es anschließend im Conference Championship Game auf jeden Fall ein "Rematch" eines der Punktspiele geben wird, ist der Weg zum Conference-Titel wohl in keiner Power Five Conference so steinig wie hier. Oklahoma bleibt das Team mit dem größten Potenzial und hat das direkte Duell mit TCU noch vor sich (Heimspiel am 11. November), aber wenn sie Anfang Dezember im Conference-Endspiel stehen und um einen Platz in den Playoffs spielen wollen, müssen die Sooners künftig volle vier Viertel lang auf hohem Niveau spielen, was sie nicht nur gegen Iowa State nicht getan haben, sondern zwei Wochen zuvor beim Sieg gegen Baylor auch schon nicht.

Pac-12

In der Pac-12 ist die Konstellation eher übersichtlich. In der South Division ist USC trotz der Niederlage bei Washington State am vorletzten Wochenende der klare Favorit, weil die Konkurrenten leistungsmäßig deutlich shwächer sind und man gegen den potenziell stäksten Divisionsrivalen, Utah, zu Hause spielt. Das schwerste verbleibende Spiel ist die Partie bei Notre Dame am 21. Oktober und die ist für den Einzug ins Conference Championship Game nicht relevant. Das Ziel der Trojans ist aber nach wie vor das Erreichen der Playoffs und das wird man nur schaffen, wenn man sowohl gegen Notre Dame als auch später den Pac-12-Titel gewinnt. Der Gegner im Pac-12-Finale wird wahrscheinlich erst am letzten November-Wochenende, mit dem Lokalderby Washington gegen Washington State ermittelt. Beide sind noch ungeschlagen und in den fünf Partien bis zu ihrem direkten Duell favorisiert. Aus dem Zweikampf könnte aber noch ein Dreikampf werden, weil Stanford nach verpatztem Saisonstart in den letzten Wochen wieder stärker wurde und im November noch gegen Beide spielt.

SEC

Klar ist auch die Lage in der SEC. Die besten Chancen auf den Conference-Titel haben Alabama, Auburn und Georgia. In der West Division zeichnet sich ab, dass die Entscheidung um den Einzug ins SEC Championship Game am letzten Spieltag im Spiel Auburn gegen Alabama fällt. Auburn ist inzwischen im Angriff so stark, wie man es vor der Saison erwartet hatte, und dank dieser Offensivkraft in der Lage, Alabama zu schlagen. Allerdings hat Auburn zuvor noch ein Spiel beim unbequemen Texas A & M und ein Heimspiel gegen Georgia vor sich, und wenn das Derby gegen Alabama tatsächlich ein Endspiel um Platz eins werden soll, darf Auburn maximal eine Conference-Niederlage auf dem Konto haben. Alabama hat bis dahin den leichteren Weg. Gegen Texas A & M hat man am Samstag gewonnen, und die nächsten fünf Gegner sind gegen den Rekordmeister nur Außenseiter. Der Gegner des Gewinners der West Division wird mit großer Wahrscheinlichkeit Georgia sein. Die Bulldogs sind ihren Konkurrenten in der East Division bislang zu überlegen. Ungeschlagen werden sie eventuell nicht bleiben, weil sie am 11. November bei Auburn spielen müssen. Zumindest wird man nach diesem Spiel wissen, ob Georgia wirklich das Zeug zum SEC Champion, und damit zum Playoff-Teilnehmer, hat. Nach derzeitigem Stand haben sie es.

Hoch - 10.10.2017

Michigan State sorgte mit dem Sieg im Lokalderby bei Michigan für eine der beiden großen Überraschungen des letzten Spieltages.

Michigan State sorgte mit dem Sieg im Lokalderby bei Michigan für eine der beiden großen Überraschungen des letzten Spieltages. (© Getty Images)

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