Überschätzt, entzaubert, vorgeführt

QB Lamar Jackson konnte Louisville im Top-Spiel gegen Clemson nicht zum erhofften Sieg führen.In der Regel schaut man bei der Analyse eines Spieltages darauf, wer denn die großen Gewinner waren, es gibt aber auch Spieltage, an denen muss man den Gaul zwangsläufig von der anderen Seite her aufzäumen und sich auf die großen Verlierer konzentrieren. Dieser dritte volle Spieltag der Saison 2017 war so einer. Vier Top-25-Teams - LSU bei Mississippi State, Kansas State bei Vanderbilt, Stanford bei San Diego State und UCLA bei Memphis - verloren gegen Teams, die nicht in den Top 25 platziert waren, der Niedergang des mehrfachen Ex-Meisters Nebraska erreichte mit der Heimniederlage gegen Northern Illinois einen neuen Tiefpunkt, und schließlich zeigte sich bei Louisvilles 21:47-Heimniederlage im Top-Spiel gegen Clemson einmal mehr, warum Louisvilles QB Lamar Jackson bei allem Talent nicht der Top-Kandidat für die Auszeichnung als "Most Outstanding Player" der Saison (Heisman Trophy) ist.

Das Duell Louisville gegen Clemson, eine der Schlüsselpartien zunächst einmal auf dem Weg zum Conference-Titel in der ACC, war das potenzielle Highlight dieses Spieltages. Der 14. der AP-Rangliste, angeführt vom letztjährigen Heisman-Trophy-Gewinner Lamar Jackson, forderte den Dritten und amtierenden National Champion heraus - davon versprach man sich ein ähnlich packendes Spiel wie bei der Begegnung der Beiden Anfang Oktober letzten Jahres, als Clemson zunächst zu einem lockeren Sieg zu kommen schien (28:10 bei Halbzeit), Louisville das Spiel dank Jacksons bester Leistung der Saison drehte (36:34 Mitte des vierten Viertels), ehe Clemson am Ende als 42:36-Sieger vom Platz ging. Derlei Dramatik und Klasse bot das Spiel am Samstag leider nicht, weil Clemson in allen Bereichen ganz einfach deutlich besser war als Louisville. So sah es auch Louisvilles Head Coach Bobby Petrino. "Wir wurden in allen Bereichen geschlagen. Das war besonders enttäuschen für mich. Ich dachte, wir würden in der Lage sein, mitzuhalten. In der ersten Halbzeit haben wir in der Offensive mit Ausnahme eines Angriff nichts zustande gebracht. Wir konnten bei dritten Versuchen keine neuen First Downs holen. Das war ein wictiger Faktor und der große Unterschied zum Spiel vor einem Jahr. Das spricht natürlich auch für ihre Abwehr. Wir wussten natürlich schon vor dem Spiel, dass sie stark sind, aber wir haben in der Offensive in Sachen Blocken, Pässe anbringen und Beständigkeit nicht das gebracht, was wir eigentlich können. Das greift dann alles ineinander", so Petrino zur Leistung seines Teams unter anderem.

Auch dieses Mal lagen die Tigers schon bei Halbzeit auf Erfolgskurs, und nach dem Interception Return zum 26:7 am Ende von Louisvilles erstem Ballbesitz nach der Pause war klar, wer als Sieger vom Platz gehen würde. Daran konnte auch Jackson nichts ändern. Seine Statistik sah am Ende zwar ganz gut aus mit 317 Pass-Yards und drei Touchdown-Pässen, aber die reinen Zahlen täuschen oft, auch in diesem Fall. Jackson machte knapp zwei Drittel seiner Yards und zwei seiner drei Touchdowns erst im vierten Viertel als das Spiel bereits so gut wie verloren war. Vor allem aber meldete ihn Clemsons Abwehr als Faktor im Laufspiel völlig ab, und nur als "Dual Threat" ist Jackson wirklich gefährlich. In der Partie vor knapp einem Jahr hatte er 162 Yards und zwei Touchdowns erlaufen mit einem Schnitt von 5,2 Yards pro Lauf, dieses Mal waren es 64 Yards, im Schnitt nur 3,8 Yards pro Lauf und keine Touchdowns.

Nach dem Spiel vom Samstag sollten sich die ständigen Diskussionen darüber, ob Jackson als erst zweiter Spieler (nach Ohio States RB Archie Griffin Mitte der 70er Jahre) die Heisman Trophy ein zweites Mal gewinnen kann, vorerst erledigt haben. Schon die Vergabe der Auszeichnung an ihn im letzten Jahr war nicht gerade überzeugend, wenn man berücksichtigt, dass er vor allem gegen schwächere Gegner, die mit Spielern seines Kalibers überfordert sind, glänzte und in der vermurksten Schlussphase der letzten Saison mit drei Niederlagen in Folge (10:36 gegen Houston, 38:41 gegen Kentucky und 9:29 im Bowl-Spiel gegen LSU) fast völlig untergetaucht war. Aber einmal abgesehen davon, dass es irgendwann ermüdend wird, wenn dieses Thema vor und nach jedem Spiel aufs Neue "durchgenudelt" wird, tut man Jackson damit keinen Gefallen. Er ist ohne Frage ein Super-Talent, aber man sollte ihm, sofern das im "Milliarden-Spiel" College Football überhaupt noch geht, die Zeit zum Reifen geben, anstatt ihn ständig größer zu machen als er es bis jetzt ist. Ein potenzieller Heisman-Trophy-Gewinner muss ein Spieler sein, der in Top-Spielen wie dem gegen Clemson den Unterschied zwischen Sieg oder Niederlage ausmacht. Und er sollte sein Team möglichst auch zu einem ernstzunehmenden Playoff-Kandidaten machen. So betrachet ist Jacksons Bilanz bis jetzt noch alles andere als "outstanding".

Die größte Enttäuschung unter den vier Top-25-Teams, die am Samstag überraschend verloren haben, ist LSU, das bei Mississippi State sang- und klanglos mit 7:37 unterging. Im ersten Spiel gegen einen ernstzunehmenden Gegner zeigte sich, dass das größte Problem der Mannschaft in den letzten Jahren, ihre Offensiv-Schwäche, wohl auch in diesem Jahr nicht wirklich behoben werden kann. Unter Head Coach Ed Orgeron, der die Führung des Teams nach dem vierten Spiel der letzten Saison übernommen hatte, wurde die Spielweise zwar vom Ansatz her etwas variabler, aber für einen richtigen Fortschritt fehlt das Personal. Mit Danny Etling auf der Quarterback-Position wurde das Passspiel, das in den letzten Jahren unter Orgerons Vorgänger Les Miles katastrophal schlecht war, zwar etwas besser, aber letztlich bleibt Etling, bösartig formuliert, ein mittelmäßiger Ballverteiler, der einfach nicht die Qualität hat, um ein Team Richtung Playoffs zu führen. So führt der Erfolg in der Offensive weiterhin nur über das Laufspiel. Das wissen die Gegner, und wenn man dann, wie am Samstag bei Mississippi State, auf eine Abwehr mit einer starken Defensive Line trifft, dann wird es eng. Zugegeben, mit einer Reihe regelrecht dämlicher Strafen bremste sich LSU in Starkville zusätzlich immer wieder selbst aus, aber vermutlich hätten die Tigers auch ohne diese ständigen Disziplinlosigkeiten verloren. "Zunächst einmal muss man Mississippi State Respekt zollen. Sie haben sehr gut gespiel, vor allem die Offensive und Defensive Lines. Wir konnten ihre Läufe nicht stoppen und haben zu viele längere Pässe zugelassen. Und wir sind wegen der neun Strafen enttäuscht. Wir müssen besser und disziplinierter spielen. Immer, wenn uns im Angriff etwas gelungen ist, wurden wir durch eine Strafe wieder zurückgeworfen", sagte Orgeron zum Auftritt seines Teams.

In der Verfassung von Samstag ist LSU jedenfalls nicht, wie vor der Saison erwartet, der härteste Konkurrent von Alabama in der West Division der SEC. Der könnte stattdessen jetzt Mississippi State werden, vorausgesetzt, das Team kann die Leistung in den kommenden Wochen bestätigen. Schon am nächsten Samstag wird sich im Spiel bei Georgia zeigen müssen, wie weit die junge Mannschaft, der man vor der Saison das Erreichen von sieben bis acht Siegen zutrauen durfte, tatsächlich schon ist. Eine Woche später geht es dann zu Auburn. Sollten die Bulldogs beide Spiele gewinnen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie mit einer 9-0-Bilanz in das Heimspiel gegen Alabama Anfang November gehen. So weit denkt Head Coach Dan Mullen natürlich noch nicht. "Wir genießen diesen Erfolg jetzt, aber wir haben noch viel Arbeit vor uns. Nächste Woche müssen wir besser spielen als heute", sagte er unter anderem. Diese Einschätzung ist wohl richtig. Georgia ist in der Offensive ausgeglichener als LSU und damit schwerer zu verteidigen, und in Athens bekommt es der gegen LSU so starke QB Nick Fitzgerald gleich wieder mit einer Top-Defense zu tun.

Hoch - 18.09.2017

QB Lamar Jackson konnte Louisville im Top-Spiel gegen Clemson nicht zum erhofften Sieg führen.

QB Lamar Jackson konnte Louisville im Top-Spiel gegen Clemson nicht zum erhofften Sieg führen. (© Getty Images)

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