A.B.U. Titans gewinnen Westafrika-Premiere

Premiere in Nigeria: ABU Titans vs. Lagos MarinesDass die Spieler des siegreichen Teams den gegnerischen Head Coach auf den Schultern vom Feld tragen - das kommt gewiss nicht oft vor. Aber das Team der A.B.U. Titans der Ahmadu Bello Universität in Zaria (Kaduna) in Nigeria tat am 6. März genau dieses mit Dominik Müller, nachdem es mit 28:20 gegen die von ihm gegründeten und trainierten Lagos Marines das erste Football-Spiel in Westafrika gewonnen hatte - vor einem überraschend engagierten Publikum und nach einem packenden Spiel.

Der Grund für diese besondere Ehre für Müller, der in Deutschland für Cologne Crocodiles, Hanau Hawks und Wiesbaden Phantoms gespielt, 1985 zu den Gründern der Ball Bearings in Schweinfurt gezählt hatte und inzwischen in Nigeria beruflich tätig ist, hatte mit dem Spielresultat nichts zu tun. Die schlichte Dankbarkeit, überhaupt einmal eine echte Partie absolvieren zu dürfen, nach fünf Jahren Trainings, ohne realistische Hoffnung auf ein Spiel, schlug sich da nieder. Erst die Schaffung eines zweiten Teams in Nigeria eben durch Coach Müller in Lagos hatte in der jüngeren Vergangenheit schließlich dem Engagement des Teams in Zaria wieder einen ganz neuen Sinn verliehen.

Müller revanchierte sich übrigens für diese spontane Geste noch mit einem kleinen Tipp zu den üblichen Riten im American Football an die Spieler der gegnerischen Titans. Eine halbe Stunde nach Spielende erhielt so auch der siegreiche Head Coach Chukwuemeka Amadi noch seine verdiente Ehre in Form der "Gatorade-Dusche", nachdem Müller den Spielern davon erzählt hatte, dass so etwas in Amerika und Europa so gemacht werde, in jedem Fall nach wichtigen Siegen. Der "Shower" bestand symbolisch aus klarem Wasser, an echtes wertvolles und klebriges Getränkegemisch wagen Nigerias Pionier-Footballer aus finanziellen Gründen derzeit noch nicht zu denken, geschweige denn es zu vergeuden. Aber vielleicht beim Rückspiel in Lagos (wenn es denn terminiert wird)? "Sponsor" der Lagos Marines ist immerhin "Chivita", ein Softdrink-Hersteller, der zur "TGI Group" gehört, und die 900-Kilometer-Busfahrt des Teams aus Lagos nach Zaria bezahlte. Die Ausrüstung des Teams finanzierte zum größten Teil der Head Coach, mit Unterstützung eines ehemaligen Mannschaftskameraden aus gemeinsamen Hanauer Zeiten Ebbo Schauer.

Titans-Coach Amadi durfte jedenfalls also am Ende noch ganz stilecht wie ein begossener Pudel seinen sportlichen Erfolg genießen. Vor dem Spiel hatte er zunächst etwas "bedröppelt" gewirkt: Als die Lagos Marines am 6. März um 14.45 Uhr mit 60 Spielern - darunter drei Frauen - aus den Kabinen kamen, war das Stadion der Universität leer, die gastgebende Mannschaft erst zu einem Drittel eingetroffen und ihr Head Coach, der sogar authentische Footballtore im Eigenbau hatte anfertigen lassen, der Verzweiflung nahe.

Eine Stunde später war dann aber alles im Lot. Eine aus Assistant Coaches zusammengewürfelte Schiedsrichtercrew, die ihrerseits Premiere feierte, hatte das Spiel von Beginn an gut im Griff. In Zweifelsfällen wurde mit den Team-Coaches engagiert, aber konstruktiv über die korrekte Regelauslegung verhandelt. Dank eines versierten Stadionsprechers, welcher Spielstand, Regeln, Ballbesitz und Schiedsrichterentscheidungen anschaulich erläuterte, fand auch das Publikum (geschätzte 1.500 bis 2.000 Gäste, in der Mehrzahl Studenten und Dozenten der ABU) schnell Gefallen am Spiel und begleitete alle Big Plays, auch die der Gastmannschaft, mit frenetischem Jubel.

Nach einem relativ verunglückten Kickoff der Lagos Marines konnte deren Coach Dominik Müller - der sich das Mitspielen natürlich nicht nehmen lassen wollte - den ersten Tackle in der Footballgeschichte Westafrikas für sich verbuchen. Bezeichnenderweise gegen Obi Amadi, den "kleinen" Bruder des Titans-Head-Coaches, der aber körperlich nun keineswegs "klein" ist (und etwa 30 Reps beim 100-Kilo-Bankdrücken abliefert). An dem prallten später etliche Marines-Tackler wie Erbsen an einer Glasscheibe ab. Die Titans beendeten ihren ersten Drive mit einem kurzen Touchdown-Pass von QB Peter Agabe auf WR Hassan Oginni, der PAT-Kick wurde aber von der Marines-Defense geblockt.

Der erste richtig spektakuläre Spielzug war dann ein 50-Yard-Touchdown-Pass von Marines-QB Olukayode "Kay" Mafe, den WR Adebayo Odusanya allerdings nur mit einem Fuß innerhalb des Spielfeldes erreichen konnte. Ein gültiger Touchdown gelang Mafe dann aber einige Plays später wieder mit einem Pass auf Odusanya. Die ebenfalls verwandelte 2-Point Conversion auf WR Olawale Akinyokua brachte sodie Marines mit 8:6 in Front. Die Titans holten sich die Führung beim folgenden Drive zurück, welcher hauptsächlich aus kraftvollen Läufen von FB Obi Amari bestand, QB Agabe selbst trug hierbei den Ball in die Endzone der Marines. Ein Safety der A.B.U. Titans nach einem missglückten Punt der Marines markierte schließlich den Halbzeitstand von 14:8 für die Titans.

In der zweiten Halbzeit zahlte sich dann das Passspiel der Titans aus, das sich bereits zu Matchbeginn durch zwei von WR Ikenna Nkeoye in der Endzone der Marines fallengelassene Pässe seine Stärke angedeutet hatte. Konnte Marines-CB Ifeanyi Anine zunächst einen weiteren TD-Passversuch auf Nkeoye durch einen akrobatischen Sprung noch abwehren - vielleicht die professionellste Szene der gesamten Partie - so enteilte kurz danach auf der anderen Spielfeldseite Titans-WR Sunday Samuel Marines-CB Chuey Okoye zur 20:8-Führung der Titans.

Nachdem QB Mafe nach einem waghalsigen Lauf über die rechte Seite durch einen spektakulären aber regelkonformen Hit von Titans-LB Quadri Azeez ausscheiden musste, kam QB Pelumi Adeolu ins Spiel und und konnte noch im dritten Viertel eine Interception von Safety Chinonso Marcel durch einen TD-Pass und die folgende Conversion auf WR Adebayo Odusanya zum neuen Spielstand von 14:20 aus Sicht der Marines ummünzen, nachdem zuvor eine Fumble Recovery von OLB Chinonso Ikeh - nicht in Punkte hatte umgewandelt werden können:

Zeit für die Marines, zu einer Geheimwaffe zu greifen: Defensive-Tackle Schönheit Olayinka Owoje schien mit ihrer plötzlichen Einwechslung die Titans-Offense vorübergehend verwirrt zu haben. Prompt gab es einen Ballverlust durch einen Fumble. Aber kurz vor Ende des vierten Viertels zogen die Gastgeber durch einen TD-Pass von Agabe auf WR Hassan Oginni auf 26:14 davon. Für die Marines stellte Head Coach Müller nun sicher, dass zumindest in der Defense der Marines alle über die 900 Kilometer Distanz mitgereisten Akteure kurzzeitig zum Einsatz kamen - darunter auch die eigentlich in der Offensive Line beheimatete Gewichtheberin Ebere Oraukuu, die allerdings mit Leichtigkeit an 155-Kilo-Titans-Center Jibril Abdurahman vorbeischlüpfte.

Durch den verspäteten Spielbeginn fanden die letzten Aktionen im Halbdunkel der Abenddämmerung statt, welche durch den Staub der Savanne ein unvergleichliches Zwielicht erhielt: Ein weiterer Touchdown-Pass von Marines-QB Adeolu - erneut auf Odusanya - dem ein erfolgloser Passversuch zur Conversion auf Gabriel "Bandana" Ene-Ita unmittelbar vor Spielende gefolgt war - ging im Schlussjubel unter und fand in mancher Berichterstattung keinen Niederschlag mehr. Am Ende einigte man sich darauf, dass die Ausführung einer 2-Point-Conversion ja schließlich zweifellos ein Beweis dafür war, dass der vorausgegangene Touchdown gezählt haben musste - das Endergebnis von 28:20 für die Titans stand somit fest.

Auerbach - 08.03.2016

Premiere in Nigeria: ABU Titans vs. Lagos Marines

Premiere in Nigeria: ABU Titans vs. Lagos Marines (© Lagos Marines)

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