Es geht um die Zukunft

Feiert Team Austria nach 2011 und 2013 ein drittes Mal?In Dresden gibt es am 25. und 27. Juni in Halbfinals und Finalspielen die 12. Junioren-Europameisterschaft. Deutschland hofft darauf, Österreich auch im Nachwuchsbereich wieder zu überholen, nachdem der Herren-EM-Titel in Wien 2014 verteidigt werden konnte und die Adler und die New Yorker Lions die letzten beiden Eurobowls den österreichischen Top-Clubs vor der Nase weggeschnappt haben, ja die Big6-Finalspiele bisher beide Male rein-deutsche Angelegenheiten geworden sind.

Österreich aber will sich erneut wie schon 2013 auf deutschem Boden als Nummer eins im Junioren-Football des Kontinents durchsetzen, auch die Österreicher, die in Düsseldorf vor zwei Jahren das Halbfinale gegen Deutschland klar gewannen, hoffen wohl darauf, dass sie im Finale erneut die direkte Gelegenheit bekommen, die Kräfteverhältnisse dokumentieren zu können. Die übrigen beiden Teams werden dagegen wenig davon halten, dass die Sparkasse Junioren-EM einzig auf diese ständige deutsch-österreichische Rivalität reduziert wird. Frankreich will nach zwei Vizemeisterschaften 2011 und 2013 ganz offiziell eine „Verbesserung“ erreichen - sprich diesmal selbst statt Österreich zum dritten Mal Europameister werden. Nach Lage der Dinge müsste man dazu erst Deutschland und dann vermutlich Österreich bezwingen und könnte damit dem ständigen Hype um die „Football-Causa Deutschland-Österreich“ ein vorläufiges Ende setzen. Und weil die Geschehnisse im Jugendbereich einen Ausblick auf die nähere Zukunft im Herrenbereich geben können, soll damit sicher auch der Anlauf auf einen Herren-EM-Titel 2018 begonnen werden.

Die Dänen wiederum haben überhaupt nicht vor, sich in Dresden nur wieder mit Platz vier zu begnügen. Wer sich in Skandinavien als Nummer eins herausgeschält hat und die Traditions-Nationen Finnland und Schweden mittlerweile mit etwas Abstand im Jugendbereich hinter sich gelassen hat, darf mit breiter Brust gegen die vermeintlich übermächtigen Teams aus Mitteleuropa antreten. Vielleicht naht ja die nächste Zeitenwende im American Football in Europa doch wieder aus dem Norden? Die Dänen haben sich seit etwa einem Jahrzehnt mit ihrem U19-Team verbessert, Schritt für Schritt. Und die Geschichte der Junioren-Europameisterschaften im American Football dokumentiert recht anschaulich, dass es im Verlauf der Jahrzehnte immer wieder zu solchen Wechseln in der Vorherrschaft gekommen ist, obwohl man sich dies nicht immer hatte vorstellen können. In den 90er Jahren galt Finnland als unschlagbar, anschließend Deutschland, dann Frankreich und schließlich heute Österreich.

Aber die verschiedenen Entwicklungsphasen, die der American Football in Europa durchlaufen hat, waren allesamt irgendwann einmal auch zu Ende und wurden durch eine neue Zeitrechnung abgelöst. An der Gschichte der Junioren-EMs lassen sich einige der Eckpunkte deutlich festmachen: Gestartet wurde der Wettbewerb zunächst als eine Einzelinitiative von vier Nationalverbänden 1992: Mit Finnland, Frankreich, Italien und Großbritannien nahmen vier Länder mit ihren frisch gegründeten Junioren-Nationalmannschaften an der Premiere in Frankreich teil, die Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre neben Deutschland führend in Europa waren. Deutschland fehlte, weil in dieser Phase das Augenmerk der meisten großen Vereine sehr auf der Entwicklung des Vereins-Footballs lag und zudem der Verband eine finanzielle Konsolidierungsphase durchlief, in der vorübergehend auch keine Herren-Nationalmannschaft spielte, geschweige denn an internationalen Wettbewerben teilnahm.

Wie bei den Herren-Europameisterschaften dominierte zunächst Finnland auch den Nachwuchswettbewerb, was unter anderem daran lag, dass Nationalmannschaften in der kleinsten der traditionsreichen Football-Nationen Europas einfacher aufzustellen und zu gemeinsamen Trainings zusammenzuziehen waren als in den großen Flächenstaaten. Dies galt selbst dann noch, als die damalige World League of American Football (und spätere NFL Europa) die Junioren-EM ab 1994 als Teil ihrer Nachwuchsförderungsmaßnahmen auf dem europäischen Kontinent integrierte und diese logistisch und finanziell absicherte. Dadurch war die Teilnahme an den Junioren-EMs für mehr Nationen möglich, auch für Deutschland, das bereits damals von der NFL außerhalb der USA als potenziell aussichtsreichstes Land für möglichen Profi- Nachwuchs eingeschätzt worden war. Zunächst am damaligen American-Bowl-Standort Berlin, später an den NFLE-Standorten in Hessen, im Rheinland, wieder in Berlin und dann einmal in Schottland wurden so die nächsten Junioren-Europameisterschaften gespielt, bei denen Deutschland ab 1998 das Zepter von Finnland übernahm und seine Serie von sechs Finalteilnahmen in Folge bis 2008 begann.

Mit einer Vereinbarung über die bessere Koordination der Jugendarbeit im American Football in Europa zwischen der NFL und dem Europaverband EFAF gingen die Junioren-EMs ab 2004 dann wieder in die Selbstverwaltung der europäischen Verbände über. Sportlich gab es zu Beginn des neuen Jahrtausends mit Russland und Frankreich zwei neue Europameister bei den Junioren, von denen Frankreich auch später mit seiner Herren-Nationalmannschaft folgerichtig in die erste Garde aufrückte (unter anderem Vizeeuropameister 2010). Für Russland, wo das Augenmerk mehr auf dem inner-russischen Vereins-Football liegt und für dessen Nationalteams die große Entfernung zu den Turnieren im mitteleuropäischen Raum weiter eine große Hürde darstellt, ließ sich die gleiche Schubwirkung nicht beobachten.

In den letzten Jahren dann hat sich Österreich (neben - im kleineren Maßstab - Dänemark) neu in die Junioren-Elite in Europa gespielt. Dies hängt auch damit zusammen, dass nach der großen Erfolgsserie der österreichischen Vereine Anfang des Jahrtausends die aufgeflammte Begeisterung für American Football in Österreich gezielt durch Nationalmannschaften weiter angefacht werden soll. Im Rahmen der Offensive zugunsten des Herren-Nationalteams war so eine Verstärkung der Maßnahmen rund um die U19-Nationalmannschaft nur logisch und zeitigte mit den beiden Junioren-Titeln 2011 und 2013 Erfolg, auch wenn dem Herren- Nationalteam bisher Titelgewinne versagt blieben.

Während im Herrenbereich und zuletzt auch wieder bei den Clubwettbewerben der große Rivale Österreichs Deutschland seine Vormachtstellung unter Beweis stellen konnte, war es für Österreich für das „Standing“ zu Hause enorm wichtig, sich bei den Junioren-EMs gegen den Nachbarn durchsetzen zu können. Für das deutsche Junioren-Nationalteam bleibt die Umkehrung dieser Machtverhältnisse das erklärte Ziel, aber der Wettbewerb der Junioren-EMs ist nur ein Teil der jeweiligen Aktivitäten in den beiden Ländern. Und da gibt es im Vergleich zwischen den beiden Rivalen kleine Unterschiede.

In Österreich wird in den letzten Jahren Erfolgen des Junioren-Nationalteams große Priorität eingeräumt, auch durch eine Beschränkung der Möglichkeiten für Clubteams, Spieler anderer Nationen einzusetzen. In Deutschland kommt zum einen der Stärkung der Herren-Bundesliga GFL vergleichsweise mehr Gewicht zu. Auch wenn das eine das andere nicht ausschließt - mit zum Beispiel Alexander Haupert oder Marco Ehrenfried sind Ex-Junioren-National-Quarterbacks inzwischen Stamm-Quarterbacks bei Playoff-Anwärtern der GFL. Zum anderen hat sich die ursprüngliche Prognose der damaligen Nachwuchs-Scouts in Diensten der NFL, dass in Deutschland viele talentierte Nachwuchs-Footballer geeignet sein könnten, den Sprung zu den Profis zu schaffen, bestätigt. Manche von diesen (wie die heutigen NFL-Profis Björn Werner 2006 oder Mark Nzeocha 2008) spielten auch für das Junioren-Nationalteam. Viele aber sind genau in jener Phase, wenn sie mit 18 oder 19 Jahren für dieses besonders wertvoll wären, bereits für College- oder High-School-Mannschaften in den USA aktiv oder vorgemerkt, womit sie für das Nationalteam in den meisten Fällen nicht zur Verfügung stehen können.

Auerbach - 25.06.2015

Feiert Team Austria nach 2011 und 2013 ein drittes Mal?

Feiert Team Austria nach 2011 und 2013 ein drittes Mal? (© Kratky)

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